Silikon lässt sich nicht auflösen, sondern nur abtragen. Es härtet nicht durch Verdunsten aus, sondern vernetzt chemisch mit der Luftfeuchtigkeit zu einem Gummi, der weder in Wasser noch in den meisten Lösemitteln wieder zerfällt. Deshalb ist die Reihenfolge immer dieselbe: Der Strang wird mechanisch entfernt, indem man mit dem Cutter beide Flanken anschneidet und ihn abzieht, und erst der hauchdünne Restfilm, der danach zurückbleibt, wird mit Silikonentferner angequollen und abgeschabt. Wer mit der Chemie anfängt, verteilt das Silikon nur großflächiger. Der Restfilm ist entscheidend, denn auf ihm haftet weder neues Silikon noch Farbe.
Bei einer alten Badewannenfuge scheitert selten das Abziehen, sondern das, was danach noch da ist: ein matter, kaum sichtbarer Schleier auf Wanne und Fliese. Dieser Rest ist der Grund, warum eine neu gezogene Fuge nach wenigen Wochen an der Kante aufreißt. Neues Silikon haftet auf altem Silikon praktisch nicht, und schon ein Film von wenigen Hundertstelmillimetern reicht, um die Verbindung zu verhindern.
Diese Anleitung beschreibt das vollständige Entfernen einer ausgehärteten Silikonfuge oder Silikonverklebung bis zum haftfähigen Untergrund. Für frisches, noch nicht vernetztes Silikon gilt sie nicht: Das nimmt man einfach mit einem trockenen Tuch ab, solange es klebt.
Was der Untergrund verträgt
Die mechanischen Schritte sind überall gleich, die chemischen nicht. Emaille, Glas, Keramikfliesen und Edelstahl sind unempfindlich und vertragen sowohl Silikonentferner als auch Aceton und Isopropanol. Acryl- und Sanitäracryl-Wannen sowie Duschtassen aus Kunststoff vertragen kein Aceton – es mattiert die Oberfläche irreversibel; dort arbeitet man mechanisch und entfettet nur mit Isopropanol. Naturstein wie Marmor und Kalkstein ist gegen Säuren empfindlich und saugt Lösemittel in die Poren, was Ränder hinterlässt.
Lackierte Flächen und Kunststoffprofile sind der unsicherste Fall, weil man dem Material die Zusammensetzung nicht ansieht. Für alle unklaren Untergründe gilt derselbe Ablauf wie in der Lackiererei: erst eine verdeckte Stelle testen, zehn Minuten warten, dann entscheiden. Eine Stelle hinter der Wanne oder unter der Sockelleiste kostet nichts, eine mattierte Duschtasse dagegen schon.
Der Haftungstest vor dem Neuversiegeln
Ob der Untergrund wirklich silikonfrei ist, sieht man nicht, aber man kann es prüfen. Die gereinigte Fläche vollständig trocknen lassen und dann mit Wasser benetzen: Auf einer sauberen Emaille- oder Fliesenfläche läuft das Wasser als zusammenhängender Film ab. Zieht es sich zu einzelnen Tropfen zusammen und perlt ab, sitzt dort noch ein Silikon- oder Ölfilm, und die neue Fuge wird sich lösen.
In dem Fall geht man mit dem Entferner und dem Kunststoffschaber ein zweites Mal über die Stelle und entfettet erneut mit Isopropanol. Erst wenn der Wasserfilm gleichmäßig steht, ist die Fläche bereit. Danach muss sie vollständig durchtrocknen – bei einer Badewannenfuge heißt das, dass die Wanne über Nacht nicht benutzt wird, weil Restfeuchte im Fugenspalt dieselbe Wirkung hat wie ein Trennmittel.
Beide werden als schnelle Lösung empfohlen und beide sind auf den falschen Untergründen teuer. Aceton mattiert Sanitäracryl und Duschtassen aus Kunststoff dauerhaft, löst viele Lacke an und greift Dichtungen aus Gummi an. Bremsenreiniger ist noch aggressiver und hinterlässt auf Kunststoff Spannungsrisse, die erst Wochen später sichtbar werden. Auf Emaille, Glas, Edelstahl und Fliesenglasur sind beide unproblematisch. Wenn der Untergrund nicht sicher feststeht, ist Isopropanol das Mittel der Wahl: Es entfettet zuverlässig und ist gegenüber fast allen Kunststoffen verträglich.
Verwandte Anleitungen
Wer die Fuge ohnehin offen hat, plant meist mehr: In der Anleitung zum Laminat verlegen geht es um denselben Punkt aus der anderen Richtung: Dehnungsfugen, die elastisch bleiben müssen. In der Anleitung zum Tapezieren entscheidet ebenfalls die Untergrundvorbereitung darüber, ob das Ergebnis hält. In der Anleitung zum Window Color entfernen steht dasselbe Prinzip: erst anlösen, dann abnehmen, nie trocken abkratzen.
Das brauchst du
Schritt für Schritt
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1
Untergrund bestimmen und empfindliche Kanten abkleben
Vor dem ersten Schnitt festlegen, womit man es zu tun hat: Emaille, Acryl, Fliese, Naturstein oder Kunststoff. Danach richtet sich, welches Lösemittel später erlaubt ist. Angrenzende Flächen, die nicht mit dem Entferner in Berührung kommen sollen, mit Malerkrepp abkleben. An einer verdeckten Stelle den Entferner zehn Minuten testen und die Stelle danach ansehen.
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2
Beide Flanken der Fuge anschneiden
Mit dem Cuttermesser flach an der Wanne entlang einen durchgehenden Schnitt setzen, dann denselben Schnitt an der Fliesenseite. Wichtig ist die flache Klingenführung: Die Klinge liegt fast auf dem Untergrund, nicht im Winkel dazu, sonst kerbt man Emaille oder Acryl. Bei langen Fugen die Klinge alle zwei bis drei Meter wechseln, eine stumpfe Klinge reißt statt zu schneiden und rutscht ab.
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3
Den Strang am Stück abziehen
Am Ende der Fuge das gelöste Silikon mit der Zange oder den Fingern fassen und langsam, in flachem Winkel zur Fläche, abziehen. Zieht man senkrecht nach oben, reißt der Strang alle paar Zentimeter. Kommt er nicht in einem Stück, den Schnitt an der betreffenden Stelle nachsetzen, statt zu ziehen. In tiefen Fugen sitzt oft ein Rundschnur-Hinterfüllprofil, das mit herauskommt und beim Neuversiegeln wieder eingelegt wird.
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4
Grobe Reste mit dem Fugenhobel abnehmen
Was in Ecken und an der Wannenkante stehen bleibt, kommt mit dem Fugenhobel oder dem Kunststoffschaber weg. In Innenecken arbeitet man von der Ecke nach außen, nicht hinein, sonst schiebt man Material in die Fuge zurück. Auf Acryl und lackierten Flächen ausschließlich den Kunststoffschaber verwenden.
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5
Restfilm mit Silikonentferner anquellen lassen
Den Gel-Entferner satt auf den verbliebenen Schleier auftragen, sodass er sichtbar stehen bleibt. Die Einwirkzeit steht auf dem Produkt und liegt meist zwischen zwei und vier Stunden; bei alten, mehrfach überzogenen Fugen darf es über Nacht sein. Während der Einwirkzeit lüften und nicht nachwischen – jedes Verteilen unterbricht den Vorgang.
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6
Angequollenen Film abschaben und Vorgang wiederholen
Nach der Einwirkzeit lässt sich der Film mit dem Kunststoffschaber als weiche Masse abnehmen. Das Abgeschabte sofort auf einen Lappen abstreifen, sonst schmiert man es wieder auf. In aller Regel braucht es zwei Durchgänge: Der erste nimmt den Hauptteil, der zweite den Rest in den Poren der Fliesenglasur und an der Wannenkante.
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7
Fläche entfetten und den Wassertest machen
Mit Isopropanol und einem fusselfreien Lappen in eine Richtung wischen, nicht kreisen, und den Lappen mehrfach frisch falten. Danach trocknen lassen und die Fläche mit Wasser benetzen. Läuft das Wasser als geschlossener Film ab, ist die Fläche sauber; perlt es zu Tropfen, wird ab Schritt 5 wiederholt.
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8
Vollständig durchtrocknen lassen
Vor dem Neuversiegeln muss der Fugenspalt trocken sein, bis in die Tiefe. Bei einer Badewanne heißt das mindestens zwölf Stunden ohne Benutzung, bei schlecht belüfteten Bädern eher einen ganzen Tag, gegebenenfalls mit einem Föhn auf Kaltstufe nachgeholfen. Restfeuchte im Spalt wirkt wie ein Trennmittel und ist die zweithäufigste Ursache dafür, dass eine neue Fuge nicht hält.
Häufige Fragen
Löst Essig oder heißes Wasser ausgehärtetes Silikon?
Nein. Silikon vernetzt beim Aushärten chemisch mit der Luftfeuchtigkeit zu einem Elastomer und geht danach nicht mehr in Lösung. Heißes Wasser und Essig machen den Strang allenfalls etwas weicher und leichter zu schneiden, entfernen ihn aber nicht. Die Arbeit erledigt die Klinge, der Entferner nimmt nur den Restfilm.
Warum reißt meine neue Silikonfuge nach kurzer Zeit auf?
In den meisten Fällen, weil unter der neuen Fuge ein Rest der alten sitzt. Neues Silikon haftet auf altem Silikon nicht, und ein Film von wenigen Hundertstelmillimetern reicht schon. Die zweite häufige Ursache ist Restfeuchte im Fugenspalt. Beides prüft man vor dem Versiegeln mit dem Wassertest: Ein geschlossener Wasserfilm zeigt eine haftfähige Fläche, abperlende Tropfen zeigen einen Rest.
Kann ich Silikonreste einfach überstreichen oder übersilikonieren?
Nicht dauerhaft. Silikon ist so oberflächenarm, dass weder Dispersionsfarbe noch Lack noch neues Silikon daran anbinden. Die Beschichtung sieht zunächst geschlossen aus und löst sich dann an den Rändern in Fetzen ab. Für gestrichene Flächen gibt es Acryl als Alternative zu Silikon – das ist überstreichbar, aber nicht dauerelastisch und deshalb für Nassbereiche nicht geeignet.
Wie entferne ich Silikon von Kleidung oder Textilien?
Frisches Silikon lässt sich trocken mit einem Tuch abnehmen, bevor es vernetzt. Ausgehärtetes Silikon im Gewebe geht faktisch nicht mehr heraus, weil es sich um die Fasern gelegt hat und mechanisch nicht erreichbar ist. Deshalb gehört bei Silikonarbeiten Kleidung an, die anschließend Arbeitskleidung bleiben darf.
Muss ich das Hinterfüllprofil aus der Fuge auch entfernen?
Wenn es beim Abziehen mit herauskommt oder durchfeuchtet und verfärbt ist, wird es ersetzt – es ist ein Cent-Artikel und verhindert, dass Silikon an drei statt an zwei Seiten haftet. Sitzt es fest, trocken und unversehrt in der Fuge, kann es bleiben. Bei Schimmelbefall in der alten Fuge kommt es in jedem Fall heraus, weil sich der Befall darin hält.
Wie lange muss die Fläche vor dem Neuversiegeln trocknen?
Nach dem Entfetten mit Isopropanol reichen wenige Minuten, bis das Lösemittel verflogen ist. Entscheidend ist die Feuchtigkeit im Fugenspalt selbst: Dort rechnet man mit mindestens zwölf Stunden ohne Wassernutzung, in schlecht gelüfteten Bädern mit einem vollen Tag. Ein Föhn auf Kaltstufe verkürzt das, heiße Luft dagegen treibt Feuchtigkeit tiefer in den Spalt.