Tapezieren: Anleitung Schritt für Schritt

12 Schrittezum Ziel
4 bis 6 Std. für ein Zimmer mit 4 Wänden, plus 24 Std. TrocknungDauer
MittelSchwierigkeit
Frisch tapezierte Wand mit gemustertem Vlies im Flur

Tapezieren sieht nach viel Aufwand aus, ist aber vor allem eine Frage der Vorbereitung: gerade angezeichnetes Lot, tragfähiger Untergrund, der richtige Kleister. Diese Anleitung führt Schritt für Schritt durch ein komplettes Zimmer.

Ist die Wand fertig, folgt meist der Boden: Wie du Laminat richtig verlegst, steht mit allen Maßangaben in der passenden Anleitung.

Wird beim Renovieren auch das Fenster frei geräumt, hilft die Anleitung zum Window Color entfernen – vom Haartrockner bis zum Glasschaber, nach Untergrund sortiert.

Bei einem geölten Dielen- oder Parkettboden gilt eine andere Reihenfolge als beim Laminat: Erst die Wand fertigstellen, dann den Boden ölen, weil Farbspritzer auf frisch geöltem Holz nicht mehr abwischbar sind. Die Details dazu stehen in der Anleitung zum Holzboden ölen. Vor dem Tapezieren im Bad steht meist noch die Fuge an: Wie sich alte Dichtmasse restlos abtragen lässt, damit die neue hält, steht unter Silikonkleber entfernen.

Steht die Wand noch roh und muss vor dem Tapezieren erst verputzt werden, führt die Anleitung zum Verputzen von Ytong und Porenbeton durch den kompletten Ablauf inklusive Grundierung, Armierungsgewebe und Trockenzeiten.

Das brauchst du

Schritt für Schritt

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    Raum leerräumen und Untergrund prüfen

    Räum die Möbel aus der Mitte oder rück sie mindestens einen Meter von der Wand, deck den Boden mit Folie ab und kleb die Kante mit Malerkrepp fest. Dann prüfst du den Untergrund: Alte Tapete muss restlos runter, sonst löst der frische Kleister sie an und die neue Bahn wirft Beulen. Streich mit der flachen Hand über den Putz. Bleibt Kreidestaub an der Hand, ist der Untergrund nicht tragfähig und muss grundiert werden. Bohrlöcher und Risse füllst du mit Spachtelmasse, schleifst sie nach dem Trocknen glatt und entfernst den Schleifstaub.

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    Strom abschalten und Steckdosen abbauen

    Schalte den Stromkreis des Raums an der Sicherung ab, bevor du irgendetwas an Steckdosen oder Schaltern machst. Kontrolliere mit einem Spannungsprüfer, dass wirklich keine Spannung mehr anliegt, und häng einen Zettel an den Sicherungskasten, damit niemand versehentlich wieder einschaltet. Erst dann schraubst du die Abdeckungen von Steckdosen und Lichtschaltern ab und legst Schrauben und Rahmen zusammen in eine Schale. Das gilt genauso für den Moment, in dem du später mit feuchtem Schwamm arbeitest oder mit dem Cutter über einer Dose schneidest. Den Strom schaltest du erst wieder ein, wenn alle Abdeckungen sitzen.

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    Bedarf ausrechnen und Rollen prüfen

    Miss den Umfang des Raums und teile ihn durch die Bahnbreite, meist 53 cm. So bekommst du die Zahl der Bahnen. Danach rechnest du, wie viele Bahnen aus einer Rolle von 10,05 m fallen: bei 2,50 m Raumhöhe plus rund 10 cm Zugabe sind das drei Bahnen pro Rolle. Türen und Fenster rechnest du nicht heraus, der Verschnitt frisst den Gewinn ohnehin auf. Bei Musteransatz brauchst du zusätzlich Zugabe je Bahn. Kontrolliere vor dem Start, ob alle Rollen dieselbe Chargen- oder Anfertigungsnummer tragen, sonst können Farbtöne sichtbar abweichen.

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    Bahnen zuschneiden und nummerieren

    Roll die Tapete auf einem sauberen Tapeziertisch oder auf dem abgedeckten Boden aus, miss die Wandhöhe an mehreren Stellen und schneide jede Bahn mit rund 5 cm Zugabe oben und unten zu. Alte Wände sind selten überall gleich hoch, deshalb lohnt das Nachmessen. Bei Tapeten mit Ansatz legst du die nächste Bahn zum Abgleich daneben und schiebst sie, bis das Muster passt, bevor du schneidest. Schreib auf die Rückseite jeder Bahn mit Bleistift eine Nummer und einen Pfeil nach oben. So verhinderst du, dass eine Bahn später verkehrt herum an der Wand landet.

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    Erste Bahn am Lot anzeichnen

    Fang an der Wand mit der Fensterseite oder an der auffälligsten Wand an und miss von der Ecke aus eine Bahnbreite minus etwa 1 cm ab, also bei 53 cm rund 52 cm. Häng dort das Lot an oder setz die Wasserwaage an und zieh mit dem Bleistift eine durchgehende senkrechte Linie vom Deckenanschluss bis zur Fußleiste. Verlass dich nie auf Türrahmen, Ecken oder Fußleisten als Referenz, die sind fast nie im Lot. Diese eine Linie entscheidet über das ganze Ergebnis: Steht die erste Bahn schief, laufen alle folgenden Stöße auseinander.

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    Kleister ansetzen und richtig auftragen

    Rühr den Kleister nach Herstellerangabe an: kaltes Wasser im Eimer in Bewegung bringen, das Pulver einstreuen, durchrühren und die angegebene Quellzeit abwarten, meist einige Minuten. Bei Vliestapete trägst du den Kleister mit Quast oder Roller direkt auf die Wand auf, jeweils etwas breiter als eine Bahn, damit die Kante nicht auf trockenem Untergrund landet. Bei Papier- und Raufasertapete läuft es umgekehrt: Du kleisterst die Bahn auf dem Tisch ein, schlägst sie locker auf sich zusammen und lässt sie die vom Hersteller genannte Weichzeit ruhen, damit sie sich gleichmäßig dehnt.

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    Erste Bahn ansetzen und ausrichten

    Setz die Bahn oben an, lass etwa 5 cm über die Decke stehen und richte die Kante exakt an der Bleistiftlinie aus, nicht an der Ecke. Solange der Kleister feucht ist, lässt sich die Bahn noch um wenige Zentimeter verschieben, das nutzt du zum Feinjustieren. Kontrollier die Kante über die ganze Höhe, bevor du sie festdrückst. Die Zugabe an der Ecke schlägst du um die Kante herum. Bei Papiertapete klappst du die zusammengelegte Bahn erst oben auf, setzt sie an und lässt den unteren Teil danach herunterfallen.

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    Andrücken und Blasen ausstreichen

    Streich die Bahn mit der Tapezierbürste oder dem Anreibespachtel von der Mitte nach außen und von oben nach unten aus, immer im Fischgrätmuster zu den Kanten hin. So schiebst du Luft und überschüssigen Kleister zum Rand statt sie einzuschließen. Bei empfindlichen Oberflächen arbeitest du mit einer Kunststoffrakel und wenig Druck. Kleine Blasen, die bleiben, sind oft nur Feuchtigkeit und verschwinden beim Trocknen. Kleister, der über die Kante auf die Sichtseite quillt, wischst du sofort mit einem sauberen, feuchten Schwamm ab und spülst den Schwamm häufig aus, sonst bleiben glänzende Flecken zurück.

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    Stoß auf Stoß weiterarbeiten

    Jede weitere Bahn setzt du dicht an die vorige, Kante an Kante, ohne Überlappung und ohne Spalt. Schieb sie im feuchten Zustand vorsichtig heran, bis der Stoß geschlossen ist. Nach ein paar Minuten fährst du mit dem Nahtroller einmal ohne starken Druck über die Naht. Zu viel Druck presst Kleister heraus und drückt bei strukturierten Tapeten das Relief platt. Offene Nähte entstehen fast immer dadurch, dass die Bahn beim Andrücken auseinandergezogen wurde oder der Kleister an der Kante fehlte. Prüf deshalb bei jeder Bahn, ob die Wand bis über die Kante hinaus gekleistert ist.

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    Überstand an Decke und Sockel schneiden

    Setz den Breitspachtel als Anschlag in den Winkel zwischen Wand und Decke und zieh das Cuttermesser mit frischer Klinge in einem Zug daran entlang. Zieh dabei den Spachtel nach, statt das Messer abzusetzen, sonst bekommst du eine ausgefranste Kante. Dasselbe machst du unten an der Fußleiste. Brich die Klinge häufig ab, mindestens nach jeder zweiten oder dritten Bahn: Eine stumpfe Klinge reißt die feuchte Tapete, statt sie zu schneiden. Den abgeschnittenen Streifen ziehst du sofort ab und wischst Kleisterreste von Decke und Leiste ab, solange sie feucht sind.

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    Ecken, Fenster und Steckdosen

    In Innenecken tapezierst du nie mit einer Bahn durch. Lass die Bahn rund 1 bis 2 cm um die Ecke laufen und setz die nächste Bahn auf der neuen Wand wieder an einem frisch angezeichneten Lot an, sodass sie den Überstand überdeckt. Über Steckdosen und Schalter klebst du bei abgeschalteter Sicherung einfach durch, drückst die Tapete an und schneidest anschließend über der Dose ein Kreuz, dann die vier Zipfel bis zum Dosenrand zurück. An Fenster- und Türlaibungen schneidest du diagonal in die Ecke ein, legst die Tapete um und schneidest den Rest sauber ab.

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    Trocknen lassen und Abdeckungen montieren

    Lass die Tapete rund 24 Stunden bei geschlossenen Fenstern und normaler Raumtemperatur trocknen. Zugluft und aufgedrehte Heizung sind der häufigste Grund für aufreißende Nähte, weil die Bahn dann an den Kanten schneller trocknet und sich zusammenzieht. Also: nicht durchlüften, keinen Heizlüfter aufstellen. Erst wenn die Fläche durchgehend trocken und matt ist, schraubst du die Abdeckungen von Steckdosen und Schaltern wieder an und schaltest die Sicherung ein. Streichen kannst du Raufaser oder überstreichbare Vliestapete danach, ebenfalls nach vollständiger Trocknung.

Häufige Fragen

Wie lange muss Tapete trocknen?

Rechne mit etwa 24 Stunden bei normaler Raumtemperatur und geschlossenen Fenstern. Kräftige Vliestapeten und stark saugende Untergründe können auch länger brauchen. Wichtig ist vor allem, dass du in dieser Zeit nicht lüftest und nicht mit Heizlüfter oder aufgedrehter Heizung nachhilfst. Trocknet die Tapete zu schnell, zieht sie sich an den Kanten zusammen und die Nähte reißen auf. Überstreichen solltest du erst, wenn die Fläche durchgehend trocken ist.

Tapeziert man an der Wand oder auf dem Tisch?

Das hängt an der Tapetenart. Vliestapete wird im Wandklebeverfahren verarbeitet: Der Kleister kommt auf die Wand, die trockene Bahn setzt du direkt hinein. Papier- und Raufasertapeten kleisterst du dagegen auf dem Tapeziertisch ein, legst sie locker zusammen und lässt sie die vom Hersteller angegebene Weichzeit ruhen, damit sie sich vollständig dehnt. Wer eine Papiertapete ohne Weichzeit anklebt, bekommt Blasen und offene Stöße, weil sie erst an der Wand quillt.

Wie viele Rollen brauche ich für 20 qm?

Bei einer Standardrolle mit 53 cm Breite und 10,05 m Länge deckt eine Rolle rund 5 qm ab, abzüglich Verschnitt eher 4 bis 4,5 qm. Für 20 qm Wandfläche brauchst du also etwa fünf Rollen. Rechne besser über den Raumumfang: Umfang geteilt durch 0,53 m ergibt die Bahnenzahl, und aus einer Rolle fallen bei 2,50 m Raumhöhe drei Bahnen. Kauf lieber eine Rolle mehr aus derselben Charge.

Muss man Tapete überlappen oder Stoß auf Stoß kleben?

Stoß auf Stoß, also Kante an Kante ohne Überlappung. Überlappte Bahnen zeichnen sich als sichtbare Kante ab, werfen im Streiflicht Schatten und lassen sich später schlecht überstreichen. Schieb die Bahn im feuchten Zustand vorsichtig an die vorige heran, bis der Stoß geschlossen ist, und roll die Naht danach ohne starken Druck mit dem Nahtroller nach. Nur bei wenigen Spezialtapeten wird überlappt und der Doppelschnitt anschließend herausgetrennt.

Wo fängt man beim Tapezieren an?

Fang an der Fensterwand oder der Wand an, die im Raum am meisten auffällt, und arbeite von dort um den Raum herum. Die erste Bahn richtest du an einer selbst angezeichneten Lotlinie aus, nicht an der Zimmerecke, am Türrahmen oder an der Fußleiste — die sind in Altbauten fast nie senkrecht. Miss dafür von der Ecke aus eine Bahnbreite minus etwa einen Zentimeter ab und zieh die Linie mit Lot oder Wasserwaage.

Kann man über Steckdosen tapezieren?

Ja, und das ist sogar der saubere Weg — aber nur mit abgeschalteter Sicherung. Schalte den Stromkreis ab, prüf mit dem Spannungsprüfer nach und schraub die Abdeckungen von Dosen und Schaltern ab. Dann klebst du die Bahn glatt darüber, schneidest über der Dose ein Kreuz und die vier Zipfel bis zum Dosenrand zurück. Die Abdeckungen kommen erst wieder drauf, wenn die Tapete trocken ist, danach schaltest du den Strom ein.

Warum bilden sich Blasen unter der Tapete?

Blasen entstehen meist aus drei Gründen: eingeschlossene Luft, weil nicht von der Mitte nach außen ausgestrichen wurde, zu wenig oder ungleichmäßig aufgetragener Kleister, oder ein nicht saugfähiger Untergrund, auf dem der Kleister nicht anzieht. Kleine feuchte Blasen direkt nach dem Ankleben verschwinden oft beim Trocknen von selbst. Bleibt eine Blase, schlitzt du sie mit dem Cutter auf, gibst mit einem Pinsel etwas Kleister darunter und drückst die Stelle vorsichtig an.

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